Dort stehen sie, schreddern auf ihren Gitarren, malträtieren das Schlagzeug und üben einen Gesang aus, den man in der Poplandschaft wohl kaum zu hören bekommt: “Rockmusiker”. Ich denke, dass viele, die sich schon früh der rockigeren Art der Musik verschrieben haben, gerne einmal selbst auf der Bühne stehen würden. Mangels musikalischer Kenntnisse blieb das wohl aber immer ein Wunschtraum. Doch der Traum bleibt… was wäre, wenn man sich für einige Minuten wie Kurt Cobain, Shirley Manson, Campino oder auch James Hetfield fühlen könnte. Für viele ging dieser Traum in Form von “Guitar Hero” in Erfüllung. Andere, wie ich, stellten sich lange Zeit die Frage: “Wie kann man sich nur so lächerlich machen?!”. Doch gab es im Jahre 2008 ein Ereignis, dass alles verändern sollte.
Die Geburtsstunde eines Plastikschrammlers
Ich denke, dass wir uns alle an das miese Frühjahr 2008 erinnern, verregnete Nachmittage, kalte Nächte, also kein Wetter, dass einem wirklich stimmungsvolle Hochkultur versprach. Eines Abends, im Mai, kam ein Kumpel ganz begeistert bei mir an. Im Gepäck trug er seine Wii-Mote, sein neues Spiel und etwas, dass für mich, mit viel Kompromissbereitschaft, aussah wie eine Gitarre. Zugegeben, sie war kleiner, aus Plastik, hatte 5 Knöpfe statt Saiten und einen Klickschalter, der einen Saitenanschlag simulieren soll. Hinzu kommt die Aussparung für die Wii-Mote, ein Analogstick und ein paar weitere Tasten samt einem Tremolo. Denkt man sich diese Ungereimtheiten weg, so sieht sie tatsächlich wie eine “Gibson Les Paul” im Miniaturformat aus. Seine Begeisterungsstürme waren kaum zu bremsen und ich kam nicht umhin mir zu denken: “Verdammt, noch so ein Trottel!”. Aber ok, wenn wir den ganzen Spaß schoneinmal da haben, dann muss es ja auch gespielt werden, also alles zusammengeschustert, Spiel in die Wii [es handelt sich hierbei um "Guitar Hero III - Legends of Rock"] und ich hab ihn erstmal machen lassen. Bis dahin habe ich ein solches Spiel noch nie in Aktion gesehen. Es sah alles so höllisch einfach aus, was auch verständlich war, denn der gewählte Schwierigkeitsgrad trug den trächtigen Namen “Leicht”. Nach 1-2 Stunden hat mich die Neugier dann doch gepackt und ich wollte das Spiel wenigstens ausprobieren. Gedacht, aufgefordert und getan, worauf ich mich extrem blamiert habe, denn ich war kaum in der Lage die “Noten” zu treffen. Aber, so unvorstellbar es auch schien, es machte höllischen Spaß. Ganz genau, ich konnte kaum genug davon bekommen. Ich schrabbelte in gähnend langsamer Geschwindigkeit vor mich hin, lernte meine Finger der linken Hand unabhägig von der Bewegung der rechten Hand zu kontrollieren und hatte einen Heidenspaß. Das Resultat war, dass ich mir, wenige Tage später, das Spiel für viel Geld ebenfalls im MediaMarkt gekauft habe. Nun stand meinem Geshrammel nichts mehr im Wege. Über Wochen hinweg arbeitete ich mich vom leichten Schwierigkeitsgrad auf den Mittleren hoch, wo es dann für mich erheblich schwerer wurde, denn ich musste plötzlich einen vierten Finger nutzen. So verweilte ich dort auch Wochen, bis ich mich an “Schwer” machte: “Vier Finger und die linke Hand auf dem Griffbrett hin und her rutschen!”. Wenn es eine Hölle gab, dann war ich sicher mich bereits auf den Stufen hinunter zu bewegen. Sehnenscheidenentzündungen und andere schmerzen, die sich bis ins Schultergelenk hochzogen waren die Folge, aber hey: “Ein Song geht noch!”. Das ist übrigens ein Effekt, denn ich ich liebevoll als “Einer geht noch, dann ist aber Schluss!”-Effekt bezeichne. 6-7 Songs später ist dann auch wirklich Schluss, aber nur, bis die Schmerzen nachlassen, dann geht wieder was. Seitdem hat mich das “Plastikfeuer” derart gepackt, dass ich auch heute nich genug davon bekommen kann. Ich hätte nie gedacht, dass ein derart simples Spielprinzip [dazu gleich mehr] einen über Monate hinweg fesseln kann, wo doch weitaus komplexere Spiele nach wenigen Tagen in der Ecke landen. Über die Monate hinweg sollte alles noch besser kommen, aber das wird Teil eines weiteren Artikels.
Das Spielprinzip: Simpel aber genial
Das Prinzip ist einfach. Auf einem fahrenden Notenbrett, genannt “Highway” fliegen einem verschiedenfarbige Objekte entgegen. Ziel der Sache ist die Objekte zu treffen. Fliegt einem eine grüne Note entgegen, so drückt man auf der Plastikgitarre den grünen Knopf und betätigt im richtigen Moment den Anschlagschalter. Das ist vom Prinzip her schon alles, worauf dieses Spiel aufbaut. Da dies aber letztendlich zu wenig ist, werden auch Akkorde simuliert, bei denen man zwei oder mehr Tasten gleichzeitig drückt und den Anschlagschalter betätigen muss. Dazu kommen noch lang gezogene Noten, bei denen man die entsprechende Grifftaste nach dem Anschlag gedrückt halten muss. Hierbei kommt dann das Tremolo zum Einsatz, welches man auf und ab bewegen kann um den Ton zu verzerren.

Notenhighway
Als weiteres Elemenent dienen Hammer-Ons und Pull-Offs, kurz “Ho-Po’s”, welche hell leuchten. Hier muss man die erste Note anschlagen und dann folgt man den Tönen nur mit den Grifftasten in den entsprechenden Farben. Dies klingt zunächst viel leichter, als es wirklich ist. Alternativ kann man natürlich alle Ho-Po’s anschlagen und so weiterspielen, was für den Anfänger sicherlich leichter erscheint. Spätestens ab “Schwer” erweist sich das als nahezu unmöglich. Zu guter letzt gibt es noch die Starpower, was eine Notenserie ist, in der die Noten Starnförmig auf einen zufliegen. Um Starpower zu erlangen muss man die gesamte Notenserie fehlerfrei spielen. Hat man einmal genügend Starpower gesammelt, so muss man entweder eine entsprechende Taste auf dem Gitarrenkorpus drücken, oder aber, wie ein echter Rocker, die Gitarre in eine senkrechte Stellung bewegen, um sie zu aktivieren. Bei aktivierter Starpower werden die zu sammelnden Punkte verdoppelt. Ziel des ganzen ist es, einen Songe von Anfang bis Ende durch zu spielen, ohne von dem Publikum von der Bühne verbannt zu werden. Das sog. “Rockmeter” gibt Aufschluss darüber, wie gut oder schlecht man in dem entsprechenden Song performt. Spielt man die Noten richtig, so steigt das Rockmeter und spielt man die Noten falsch so fällt das Rockmeter bis in den unteren roten Bereich. Hat man diesen erreicht, wird das Spiel abgebrochen und man hat verloren. Ziel ist es also auch, das Rockmeter möglichst hoch zu halten. Hat man einen Song nun beendet, erfolgt die Schlussbewertung von drei bis fünf Sternen. Für Leute, die absolut fehlerfrei spielen, gibt es noch den Bonus von fünf goldenen Sternen. Im Laufe des Spiel werden die Songs natürlich immer schwerer was vom Grundsatz her heißt, dass man immer mehr Noten in den songs vorfindet. Mehr gibt es zum Spielprinzip eigentlich nicht zu sagen, denn das ist ALLES. Die späteren Teile variieren dieses Prinzip etwas, aber vom Grundsatz her bleibt alles gleich.