Adams ÄpfelNachdem ich in meinem Bekanntenkreis immer wieder dazu gedrängt wurde, mir diesen Film an zu sehen, habe ich das nun gestern erledigt. Die Urteilsfindung fällt mir diesmal ausgesprochen schwer, zumal ich mit dänischer Filmkunst nicht viel am Hut habe. Aber erstmal zu der Handlung:

“Der gewalttätige Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) soll an einer Resozialisierungsmaßnahme teilnehmen, um wieder zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft zu werden. Zu diesem Zweck wird er der ländlichen Kirchengemeinde des verständnisvollen Pfarrers Ivan (Mads Mikkelsen) zugeteilt, der bereits den Vergewaltiger Gunnar (Nicolas Bro), die Drogenabhängige Sarah (Paprika Steen) und den arabischen Tankstellenräuber Khalid (Ali Kazim) betreut. Widerwillig tritt der Skinhead seinen Sozialdienst an und entscheidet sich dafür einen Apfelkuchen zu backen. Während er dabei mit Krähen, Würmern und dem Wetter zu kämpfen hat, die den Apfelbaum vor der Kirche attackieren, versucht Adam die positive Weltsicht des Geistlichen mit allen nur erdenklichen Provokationen zu erschüttern. Als sich die Auseinandersetzung zwischen dem Neonazi und dem Priester, der scheinbar auch eine dunkle Seite zu haben scheint, langsam zuspitzt, schaltet sich unerwartet noch eine dritte Partei in den Konflikt ein…” [ofdb.de]

Der Film hat größtenteils sehr positive Kritiken bekommen, so heißt es z.B. “Ein grandioser Film über Versuchung, Paradiese und Apfelkuchen.” [dvd-forum.at], “[...]seinem Publikum damit knappe 90 Minuten lang beste Unterhaltung schenkt, die der harten Realität zwinkernd ins Auge sieht, ohne dabei allerdings mit der Wimper zu zucken. Kunststück!” [filmstarts.de], “Wer auf trockenen und bitterbösen schwarzen Humor steht, kann mit diesem Film eigentlich nichts falsch machen.” [moviemaze.de] oder auch “[...]für einen Film, der glücklich macht.” [critic.de].

Gemäß dieser Urteile, war ich voller Vorfreude und der festen Überzeugung, 90 Minuten lang, bestens unterhalten zu werden. Was sich mir aber präsentierte war ein schleppender Film, mit tristen Charakteren und halbherziger Umsetzung. Da wäre z.B. der Neonazi Adam, welcher als äußerst brutal und ideologisch überzeugt beschrieben wird. Dass es sich um einen Neonazi handelt, merkt man lediglich am Hitlergemälde, welches er sich an die Wand hängt, seiner Glatze und einer abfälligen Äußerung. “Kanake!”. Seine Brutalität wird darin gekennzeichnet, dass er zwei Gewaltausbrüche auslebt. Äußerst schwach in meinen Augen. Als weiterer Charakter wäre da Khalid, ein arabischer Räuber. Klischeegetreu hat er natürlich eine Waffe bei sich und spricht die Landessprache nur äußerst gebrochen. Er hasst das Land in dem er lebt und wird es selten Leid Adam zu beleidigen. Der Vergewaltiger Gunnar ist beschränkt und fett. Im Ernst, hätte man die Klischeevorstellung besser treffen können? Auch Sarah erfüllt bestens das Klischee einer Suchtmittelkranken. Als letzten Charakter hätten wir da den Pfarrer Iwan, welcher sämtliche schlechten Dinge auf der Welt leugnet und sie damit erklärt, dass der Teufel einem Prüfungen auferlegt.

Ähnlich Profillos wie die Charaktere dümpelt auch die Handlung vor sich hin. So findet man zwar immer wieder christliche Anspielungen auf das Buch Hiob, die Plagen oder auch die Vertreibung des Paradieses. Leider findet dieses gewollte Metapherspiel immer nur im Ansatz statt, so dass ich mir gerade hier entsprechend mehr Tiefgang gewünscht hätte. So bleibt noch die Bekehrung des Neonazis zum Guten. Auch diese verläuft wenig fließend, denn es wird nichts unternommen diesen “überzeugten Rechtsradikalen” zu bekehren. Im Gegenteil, er stellt einfach fest, dass Nazis böse sind. Es gibt keine ausschlaggebenden Ereignisse in dem Film, die zu einem Umdenken führen würden. Zu guter Letzt wurde immerhin über die Kameraführung versucht Adam bedrohlich wirken zu lassen, was aufgrund seiner Statur aber auch nur teilweise gelingen konnte, denn, abgesehen von seinem grimmigen Gesichtsausdruck, strahlt der Mann kaum etwas bedrohliches aus. Den gepriesenen, trockenen und bitterbösen Humor habe ich die vollen 90 Minuten vermisst, so dass es mir auch hier schwerfällt dem zuzustimmen.

Dennoch sind die Ansätze über Religion und Überzeugung ambitioniert, leider aber nur mittelmäßig bis gar nichtumgesetzt. Man hätte aus diesem Film deutlich mehr machen können, ohne etwas an dem Rahmenkonstrukt zu verändern. Vielleicht fehlt mir aber auch einfach nur der Zugang zu diesem Film. Für mich waren es jedoch ziemlich verschwendete 90 Minuten.

2 von 10 Punkten

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