Heute etwas ruhiger und gelassener, möchte ich nocheinmal das Thema X-Protect [ein restriktiver DVD-Kopierschutz] anschneiden. Da ich vor wenigen Tagen schoneinmal, sehr erzürnt, über den Kopierschutz berichtet habe, reihen sich nun, nach ein paar Tests weitere DVDs in die Problematik ein.

Betroffen waren diesmal SAW IV, SAW V, Death Sentence und War. Wie auch schon zu Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer, war ein Schauen der Filme ab ca. der 13ten Minute nicht mehr möglich. Die DVDs hängen sich nach diesem Punkt alle paar Minuten auf. Da ich mir meinen BluRay-Player, den LG-BD370 erst im April zugelegt habe und damit auch meinen DVD-Player ersetzt habe, ist das ziemlich ärgerlich. Nach diesem Fiasko, testete ich also alle meine X-Protect-geschützten DVDs auf dem Player und das Ergebnis war, wie zu erwarten, ernüchternd. Keine dieser DVDs lief einwandfrei. Ich war aber fest der Meinung, den ein oder anderen Film bereits fehlerfrei geguckt zu haben, also hieß es für mich: “Alten DVD-Player ausgraben und ausprobieren!”. Dabei handelt es sich um einen Kenwood DVF-3080, also ein sehr altes Gerät. Seltsamerweise liefen die DVDs dort auch fehlerfrei mit einer Ausnahme: “SAW IV“. Diese Ausnahme ist aber wohl nicht auf den Kopierschutz zurück zu führen, sondern auf eine fehlerhafte Auflage. Da könnte ich zur Not mit leben. Das Fazit für mich lautet also, dass ich derartig geschützte DVDs nun mit meinem alten Player abspielen muss. Das ist insofern ärgerlich, da dieser nicht auf 1080p hochrechnet. Nun gut, dafür “darf” ich nun aber meine Filme schauen. Da mein BluRay-Player von LG aber recht gut gepflegt wird, hoffe ich auf ein Firmware-Update, welches diese Problematik behebt.

Meine Neugier war nun aber geweckt und ich wollte wissen, was nun passiert, wenn ich die guten Stücke in meinen PC einlege und darüber abspielen will. Erstmal ging, wie zu erwarten war, garnichts. Daraufhin installierte ich mir die schöne Software mit dem roten Fuchs [Namensnennung, sowie Link gibts von mir nicht] und siehe da, die DVDs liefen einwandfrei. Es geht sogar noch weiter, denn es stellte keinerlei Probleme dar, eine Kopie auf die Festplatte zu ziehen. Nun stellt sich mir doch ernsthaft die Frage, warum ein solcher Kopierschutz eingesetzt wird, obwohl er offensichtlich keinen Nutzen hat? Denn der Zweck des Kopierschutzes, nämlich Kopien zu verhindern oder zumindest erheblich zu erschweren, ist beim besten Willen nicht erfüllt. Die Berichte über Abspielprobleme häufen sich derweil aber gewaltig. Obendrein kommt bei mir die Frage auf, ob die Filmindustrie nichts von der Musikindustrie gelernt hat? Als Kopierschutzmechanismen für Audio-CDs aktuell ware, zeichnete sich etwas ähnliches in der Medienlandschaft ab, denn auch kopiergeschützte Audio-CDs ließen sich bei vielen Menschen gar nicht oder nicht fehlerfrei abspielen. Nach gewisser Zeit, sah die Musikindustrie dann von Kopierschutzmechanismen ab. Kurz darauf fängt die Filmindustrie mit dem Selben Rotz an. Wie meine Erfahrung zeigt, kommen ähnliche Probleme auf.

Dass es auch anders geht, zeigt Sony mit dem Kopierschutz ARccOS. Zwar ist dieser auch nicht das Gelbe vom Ei und auch dieser Schutz ist mit Problemen behaftet, aber man liest weitaus seltener von Abspielproblemen mit solch geschützten DVDs. Natürlich haben PCs auch weiterhin Probleme damit, aber das halte ich für recht legitim, denn schließlich kopiert man, im Regelfall, eine DVD mit dem PC. Auch Buena Vista/Disney oder auch Fox Home Entertainment setzen einen Kopierschutz auf ihren DVDs ein, welcher sich RipGuard nennt. Fox Home Entertainment setzt RipGuard aber nur in Ausnahmefällen wie z.B. bei Australia ein [Info von RandyFischer, Betreiber des Kopierschutzblogs]. Wie auch mit Sonys ARccOS, bleiben aber auch hier die Problemberichte relativ gering. Aber auch diese Methoden sind mit Problemen behaftet. Was auch kein Wunder ist, denn hier wird ein Standard gebogen bzw. manipuliert.

Eine DVD ist, laut Standard mit 2 Ordnern versehen: VIDEO_TS und AUDIO_TS. Relevant ist letztendlich nur der VIDEO_TS Ordner, der die Datendateien enthält. Es wird sich hier auch an den ganz normalen ISO-Standard gehalten. In dem VIDEO_TS Ordner sind jede Menge Daten enthalten, die mit *.VOB [die Filmdateien], *.IFO [das Inhaltsverzeichnis, bzw. die Steuerungsdatei] und *.BUP enden. Der Datenträger enthält ein Inhaltsverzeichnis für das Dateisystem [das hat nichts mit den Daten im VIDEO_TS Ordner zu tun] welches darauf verweist, wo sich welche Daten auf dem Datenträger befinden. Ganz grob umrissen ist dies der übliche DVD-Standard. Was machen nun aber restriktive Kopierschutzmechanismen wie X-Protect? Zum einen enthalten solch geschützte DVDs zwei Inhaltsverzeichnisse für das Dateisystem, die beide auf verschiedene Punkte auf dem Datenträger verweisen. Es handelt sich dabei um ein echtes Verzeichnis und ein unechtes Verzeichnis. Der PC kann den Unterschied jedoch nicht ohne weiteres kennen, weshalb der Datenträger, aufgrund der widersprüchlichen Informationen, entweder garnicht oder nur fehlerhaft gelesen werden kann. Wenn der Datenträger eingelesen werden kann, so sind auf ihm angeblich Unmengen an Daten gespeichert [ca. das Doppelte einer Zweischichtigen DVD, also runde 17GB]. Wie man wissen sollte, ist das bei einer zweischichtigen DVD schlichtweg unmöglich, denn diese fasst nur knappe 8,5 GB. Aufgrund des Fehlerhaften Dateisystems ist es für Abspielsoftware und auch Kopiersoftware nicht möglich das Inhaltsverzeichnis des Films, also die *.IFO Datei fehlerfrei zu lesen. Das resultiert in einer Nicht-Abspielbarkeit des Filmes. Mit herrkömmlichen Mitteln, wird es auch nahezu unmöglich den Film auf dem PC anzusehen. Manches Mal findet sich ein Software-Player auf der DVD, der ein Abspielen ermöglicht. Dieser korrigiert dann softwareseitig die fehlerhaften Informationen. Das ist aber beileibe kein Regelfall. Was macht aber nun ein DVD-Player, der an den Fernseher angeschlossen ist? Anders als ein PC, spielt das Dateisystem hier weniger eine Rolle, denn ein DVD-Player schaut nach einer *.IFO Datei und hangelt sich dann Stück für Stück durch den Film. Dennoch ist der Laufwerksverschleiß, aufgrund der stärkeren Lesebelastung, entsprechend höher. Hält ein DVD-Player sich aber 100% an den verabschiedeten Standard des DVD-Konsortiums, so hat er 100%ig Probleme mit diesen Medien. Ein 100%iges Einhalten des Standards erfolgt jedoch auf kaum einem DVD-Player, weshalb solche Mechanismen mal auf dem einen Player problemlos sind und auf dem anderen mehr oder weniger große Probleme bereiten. Man kann jedoch davon ausgehen, gerade bei renommierten Herstellern, dass, je qualitativ hochwertiger der Player ist, umso eher Probleme mit Medien auftreten, die vom Standard abweichen. Der Großteil unserer Konsumgesellschaft besitzt solche Player jedoch nicht, warum auch, der Discounter-Player für 40 EUR, erfüllt schließlich auch seinen Zweck. Discounter-Player haben hier den riesigen “Vorteil”, dass sie günstig gerfertigt werden müssen. So kann man nicht viel Wert auf das strikte Einhalten von Standards legen, sondern eher: “Standard läuft, alles klar, nächster Player!”. Die Qualitätskontrolle fällt hier, verständlicherweise, nicht allzu hoch aus. Daher kommt es auch, dass Discounter Player den Kosenamen “Allesfresser” weg haben. Gekniffen, sind natürlich die Leute, denen Qualität weitaus wichtiger ist, als der Preis. dazu zähle ich mich auch. Früher erschienen mir Discounter Player auch ausreichend, bis ich einen direkten Vergleich zu einem teuren Player ziehen konnte. Seitdem kommt mir kein “Billigplayer” mehr ins Haus. Dies war aber auch der Zeitpunkt, wo ich Probleme mit Medien bekam, die vom Standard abwichen [damals waren es Audio-CDs].

Das ernüchternde Fazit für mich lautet also: “Kompatibilität oder Qualität!”. Beides zugleich lässt sich mit steigender Wahrscheinlichkeit nicht vereinbaren. Irgendwann werden die Vertriebe sicherlich merken, dass Kopierschutzmechanismen, die Standards verändern, keine Dauerlösung sein können. X-Protect ist für das auf dem DVD-Sektor, was SecuRom 7 auf dem PC Sektor für mich ist: Ein rotes Tuch!