Hard Candy

Hard Candy

“Jeff ist ein sehr attraktiver und erfolgreicher Modefotograf anfang 30 und lernt im Internet die 14-jährige Hayley kennen.” Das mit sollte das Thema in diesem Psychothriller klar sein. Es geht um Pädophilie [zugegeben, 14-jährige Mädchen dürften für Pädophile schon uninteressant sein, aber jünger hätte in dem Film wohl auch ein Problem darstellen können]. Für mich ist das ein durchaus kontroverses Thema, weshalb ich auch mit sehr gespaltenen Gefühlen an den Film herangegangen bin. Doch entgegen meiner Erwartung, entpuppte sich der Film als kleine Perle in meiner Sammlung. Alles beginnt ganz harmlos mit dem Chat zwischen Jeff und Hayley und dem darauffolgenden Treffen in einem Cafe. Hayley drängte sich Jeff nahezu auf um zu ihm nach Hause mitgenommen zu werden. Bei Jeff zuhause angekommen nimmt das Ganze dann etwas abstruse Formen an. Hayley mischt Jeff etwas in seinen Drink und es startet eine Tortur des Psychoterrors. Mehr möchte ich nicht über die Handlung verlieren, denn dies ist ein Film, den man selber gesehen haben muss.

Gekonnt verdreht der Regisseur hier die Täter-Opfer-Rolle und man erwischt sich selbst immer wieder, etwas Mitleid mit dem guten Jeff zu haben. Auch stellt sich den Film über die Frage, ob Jeff wirklich pädophil ist, oder ob das nur eine kranke Fantasie von Hayley ist. Nebenher hat der Film einen starken Selbstjustiz-Charakter, was die Freigabe ab 18 Jahren durchaus rechtfertigt. Hayley selbst ist von der Darstellerin gut in Szene gesetzt. Sie gibt sich als sexuell aufgeschlossen und interessiert an älteren Männern, was die Verurteilung der Thematik zusätzlich erschwert. Jeff, als Modefotograf für Teenager, passt natürlich perfekt in das Klischeebild. Hier wird, ohne viel Gewalt, schwer verdauliche Kost geboten, die einen auch nach Filmende zum Nachdenken anregt. Von mir gibt es daher ein ganz klare Empfehlung.

Für die Sammler unter uns kommt der Film in einem schickten Steelbook des Senator Sublabels “Autobahn” daher. Leider wurde dieses Label bereit wieder aufgegeben, weshalb es manches mal nicht so einfach ist die Edition zu bekommen. Empfehlenswert ist sie jedoch allemal, denn sie enthält eine Bonus-DVD mit einer sehenswerten Dokumentation zum Film. Meines Wissens ist diese Bonus-DVD in späteren Veröffentlichungen nicht mehr enthalten. Die Dokumentation beschreibt Reaktionen von Zuschauern und vor allem die Intention des Machers. Für Leute, die nur selten Bonusmaterial ansehen, sei zumindest die Dokumentation trotzdem ans Herz gelegt. Filmisch ist nichts an dem Machwerk auszusetzen, denn, auch wenn es eine Alterntive-Produktion ist, so weiß der Regisseur durchaus mit gewissen Stilmitteln wie Überbelichtung und Kontrasten umzugehen.

Für diese filmische Perle gibt es von mir 9 von 10 Punkten

Nachwort: In dem Film findet weder eine Glorifizierung noch übermäßige Verurteilung von Pädophilie statt. Gutheißen kann man sie dennoch nicht, weshalb der Regisseur auch keinen neutralen Standpunkt eingenommen hat.