Der ‘Flatschen’ der FSK, eine Katastrophe!
Als bekennender Filmfan und Sammler, fällt es mir unheimlich schwer die neuen FSK-Kennzeichnungen gut zu heißen. Das die Aussage: “Bäh, das Ding ist hässlich!” keinen Eintrag rechtfertigt ist mir vollkommen klar, daher möchte ich näher darauf eingehen, wieso mir diese Kennzeichnung ein Dorn im Auge ist.
Die Sinnhaftigkeit einer 1200qmm großen Kennzeichnung auf der Vorderseite einer DVD, welche zudem fest in das Coverartwork eingearbeitet sein muss, bleibt mir vollends verschlossen. Das mag auch daran liegen, dass ich mit einer Kennzeichnung auf der Rückseite groß geworden bin. Die große Frage, die sich nun aber stellt, macht es für die Eltern einen Unterschied? Die jenigen die darauf bedacht waren, dass ihre Kinder die “richtigen” [sprich für Kinder freigegebene] Filme ansehen wussten haargenau, wo die Kennzeichnung zu finden war. Das sollte auch nicht sonderlich schwer sein, denn die Kennzeichnung auf der Rückseite des Bildträgers war seit Jahrzehnten dort zu finden. Nun findet man sie 4x so groß auf der Frontseite. Für die verantwortungsvollen Eltern macht es keinen Unterschied, wo die Kennzeichnung steht, denn sie hätten ohnehin darauf geachtet. Was ist nun aber mit den Eltern, denen es vorher egal war? Sind diese nun gläutert, weil sie mit der Methode des Vorschlaghammers auf die Kennzeichnung aufmerksam gemacht werden? Ich denke, dass es auch da keinen Unterschied macht, denn diesen Eltern wird es auch in Zukunft egal sein, was ihre Kinder sehen. Gleiches gilt für Verkaufspersonal, welches entweder verantwortungsbewusst mit den Freigaben umgeht oder eben nicht, da spielt die Platzierung der Kennzeichnung keine Rolle. In unserer, derzeit recht populistischen, Politik wird aber genau das Gegenteil suggeriert, es heißt, dass eine Kennzeichnung auf der Vorderseite besser wahrgenommen und zu entsprechendem Handeln führt. Das Argument der Wahrnehmung betrachte ich hier durchaus als angebracht, aber es führt nicht dazu, dass auch entsprechend gehandelt wird, denn das sind zwei grundlegend verschiedene Begriffe und Tätigkeiten. Wenn man im Straßenverkehr vorsätzlich die Regeln bricht, interessieren einen nur evtl. die Konsequenzen, nicht aber die Regeln als solche.
Was bedeutet das nun aber für die Unterhaltungsindustrie? Diese Aktion führt dazu, dass auf vielen aktuellen DVDs der Schriftzug “mit Wendecover ohne FSK” prangt. Das lässt für mich nur den Rückschluss zu, dass die neue Kennzeichnung wirtschaftlich erhebliche Folgen haben kann. Einen Rückgang von Sonder-Editionen ist auch bereits zu verzeichnen. Als prominentes Beispiel könnte man hier die DVD des neuen 007 anführen: “Ein Quantum Trost”. Dieser Film ist in einer herkömmlichen DVD Hülle und einem Steelbook erschienen. Das Steelbook beinhaltete das Front-Cover gleich 2x, einmal mit und einmal ohne FSK-Kennzeichnung. Auf Filmangaben und DVD Inhalt wurde bei der Verpackung jedoch verzichtet [ein kleiner Zettel ist an die Rückseite geklebt]. Käufer einer Sonderedition konnten damit nicht zufrieden gestellt werden, weshalb man diese Edition mittlerweile zum Schleuderpreis in vielen Elektronikmärkten bekommt. In Zukunft wird sich Paramount wohl dreimal überlegen, ob eine Sonderedition lohnt oder nicht. Ein weiteres Beispiel ist die DVD “Max Payne” in der Century³ Cinedition. Diese lag, ganz konform mit Front-FSK-Logo, wie Blei in den Regalen. Diese Sonderedition ist mit 24,99 EUR auch nicht gerade billig und soll nur entsprechende Sammler ansprechen. Der Sammler bekommt ein hochwertig verarbeitetes DigiPak mit der doppelten Dicke einer normalen DVD. Quasi eine Edition, die das Sammlerherz höher schlagen lässt. Dieser erhöhte Puls fällt aber unter Normaldruck, sobald man das riesengroße “FSK ab 18″ auf der Front sieht. In meinen Augen ist das auch nur zu verständlich, denn ein Sammler gibt nicht gerade wenig Geld für eine Sonderedition aus und will sich an allem [inkl. der Verpackung] erfreuen. Diese Freude wird erheblich getrübt.
Damit wären wir auch beim Kernpunkt meines Beitrags. Ich, als Sammler, habe schon verdammt viel Geld für meine heißgeliebten Objekte ausgegeben. Viele meiner Sondereditionen sind heute nur noch zu horrenden Sammlerpreisen erhältlich. Doch auch ich konnte mein Kaufverhalten in den letzten Monaten dahingehend beobachten, dass der Kaufkonsum drastisch zurück ging. Ich kann mich mit der neuen Kennzeichnungpflicht nicht anfreunden, dafür ist mir mein Geld einfach zu schade. Selbst normale Editionen werden von mir weniger gekauft, es sei denn ich bin der Meinung den Film unbedingt haben zu müssen. Bisher ist mir das erst ein Mal untergekommen mit “All the Boys love Mandy Lane”. Genannte DVD ist auch die einzige in meiner Sammlung mit neuer Kennzeichnung und selbst die 7,99 EUR taten ziemlich weh, da ich für den Film meine Prinzipien biegen musste. Jemand, der sich nur für einen Film interessiert, für den mag es nicht so schlimm sein, denn für denjenigen dient die Hülle wirklich nur als Hülle und nichts weiter. Für mich jedoch, der sammelt, ist es eine Katastrophe. Wenn ich eine Sonderedition kaufe, dann macht sich in mir ein wohlwollendes Gefühl breit. Es mag krankhaft sein, aber ich erfahre eine gewisse Befriedigung, wenn ich mit der Hand über ein Prägecover streiche, das Gewicht eines Steelbooks in den Händen halte, eine übergroße Verpackung, wie z.B. die von Tarantinos “Death Proof” mein eigen nennen darf, etc. pp… Nun gehe ich in einen Elktronikmarkt, direkt auf die Sondereditionen zu und mir springt ein 1200qmm großes “FSK ab xx” in die Augen. Mein erster Gedanke dabei ist: “Pfui, Teufel, ich möchte was anderes haben!” und genauso spiegelt es sich auch in meinem Kaufverhalten wider. Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass die kleine Gruppe der Sammler, denn viele sind es sicherlich nicht, mit ihren Käufen ein ganzes Marktsegment am Leben erhalten haben. Dieses Marktsegment wird wahrscheinlich nun aussterben.
Etwas lustiges hat die neue FSK-Kennzeichnung aber, denn auf “Freigegeben ohne Altersbeschränkung”, wurde “FSK ab 0″. Du darfst selber entscheiden, was mehr Sinn macht, das Erste oder das Letztere.
Viele Grüße
Marcel