Sex sells! Stimmt das wirklich?
Gemeinläufig gilt die Meinung, dass man mit Sex unheimlich viel Geld verdient. Ist das wirklich so, oder ist es etwas, was einem die Sex-Industrie nur vorgaukelt? Wir dürften uns alle einig sein, dass Portale wie youporn einen gigantischen zulauf an Besuchern aufweisen. Da das Angebot aber kostenlos ist, dürfte hier schon das Problem liegen, denn wir leben in einer Gesellschaft, wo für viele geschenkt noch zu teuer ist. Um beim youporn-Beispiel zu bleiben, stellt sich für die Betreiber nun ein Problem: “Wie bewegt man die Nutzer, die das kostenlose Angebot nutzen, dazu, ein kostenpflichtiges Programm wahr zu nehmen?”. Dieses Problem ist nicht unwesentlich, denn für etwas, was du kostenlos haben kannst, bist du selten bereit zu zahlen. Daher ist es logisch, dass nur sehr wenige die Bezahlangebote nutzen werden. Damit stellt sich automatisch ein weiteres Problem, denn diese wenigen, zahlenden Nutzer, müssen dafür sorgen, dass sämtlicher Traffic finanziert wird und im besten Falle noch Gewinne ausgeschüttet werden sollten. Wie auch im TV, fällt auch bei youporn der Fokus auf Reality in Form von Live-Cams, welche minutenweise kosten. Beworben wird dies als kostenlose Cam-Chats, mit der Option zur Privatshow. Auf gut Deutsch heißt das: “Wer etwas sehen will, muss auch zahlen!”. Da aber die Actressen nur dann Geld verdienen, wenn eine Privatshow läuft, dürfte klar sein worauf der Free-Chat hinausläuft. Die Actressen drängen auf einen Privatshow, also läuft hier ein knallhartes Geschäft, welches fast genauso persönlich ist, als wenn man sich irgendwelche Videoclips anschaut. So sieht die traurige Realität aus. Doch was soll man machen, wenn man einen Traffic zu verzeichnen hat, der problemlos hohe 2 bis mittlere 3-stellige Tausend-Euro-Beträge kosten kann? Allein an dieser kleinen Betrachtung meine ich, für mich, erkennen zu können, dass über Seiten mit einem, ausreichend, kostenlosem Angebot kein nennenswerter Gewinn erziehlen lässt. Solche Portale lassen sich auch nur schwer mit Werbung betreiben, denn jegliche Werbung stellt massive Konkurrenz dar. In Deutschland hätte ein solches Portal, allein des Jugendschutzes wegen, ohnehin keine Chance. Das heißt nicht, dass Jugendschutz nicht sinnvoll ist, nur im Internet stellt sich das Problem einfach etwas komplizierter dar. Kann ein Minderjähriger ein deutsches Programm nicht nutzen, so weicht er auf ein russisches oder amerikanisches Derivat aus, wo es ausreicht: “Ja, ich bin 18!” an zu klicken. Das nun aber zu erörtern würde ein ganzes Buch füllen.
Wie sieht das Ganze aber nun auf dem Heimvideomarkt aus? Wie so oft, natürlich vollkommen anders. Hier sind die Kosten überschaubar. Darsteller werden pro Szene bezahlt, gefilmt wird selten mit wirklich professionellem Equipment, Kulissen sind karg ausgestattet. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, die wirklich teure Produktionen abliefern, aber diese Firmen bringen dann auch nur 1-2 Produkte in 6 Monaten. Der Großteil der Produktionsfirmen liefern Ware am Fließband. Billige Fantasien teuer verkaufen ist hier das Kredo. Gerade hier in Deutschland werden Darstellerinnen aus dem Ostblock engagiert und mit 150-200 EUR pro Szene verheizt. Männer, bis auf wenige Ausnahmen, arbeiten für weitaus weniger, wenn nicht sogar kostenlos. Exklusiv-Verträge bringen den Darstellerinnen aber mehr als das doppelte ein. Obendrein werden sie weniger stark verheizt als andere. Aber auch diese verdienen kein Vermögen dafür, dass sie ihren Körper verkaufen [ich schreibe bewusst nicht "Selbstachtung", denn dieses Urteil steht niemandem zu]. Alles in allem sind aber auch Exklusiv-Darsteller weit von einem Leben in Saus und Braus entfernt. Dies ist aber nur das Beispiel des deutschen Marktes, wo es noch recht gesittet zugeht. In den USA sieht die Welt, wie so häufig ganz anders aus. Bekannte Darsteller verdienen hier zwar erheblich mehr, müssen dafür aber auch alles mitmachen, was die Produzenten haben wollen, was nicht selten darin endet in einer Welt gefangen zu sein in der die Qualität der Person nur so viel wert ist, wie sie bereit ist zu tun. Psychische Wracks sind nicht selten das Ergebnis nach einem Jahrzehnt in dem Business.
Man sollte eigentlich meinen, dass der gigantische Markt, welcher mit Sexualität handelt, die Menschenwürde überaus hoch achten sollte, denn die Körper der Darsteller sind schließlich das Kapital der Produzenten. So lange aber die Illusion von Glamour, Geld und Ruhm aufrecht erhalten wird, scheint es an “Nachwuchs” nicht zu mangeln, also kann man die Menschen ausbeuten, bis sie zerstört sind und sie dann austauschen. Da kommt die Frage auf, was angenehmer ist, die Arbeit in einem Bordell oder die Arbeit in einem Pornofilm? Der Unterschied ist zwar da, aber wohl nicht allzu groß.