Rezension: Tales of Symphonia – Dawn of the new World

Tales of Symphonia - Dawn of the new World
“Dawn of the new World” so heißt der neueste Ableger der “Tales” auf Nintendos Wii. Nach einem grandiosen “Tales of Symphonia” auf dem GameCube steht hier zu Lande auch bald der zweite Teil in den Ladenregalen. Da es bisher für die Wii kaum Rollenspielkost gab, sind Genrefans froh über jeden Fetzen, der ihnen vorgeworfen wird. Doch hat auch der zweite Teil das Potential einen würdigen Nachfolger abzugeben? Viele Rezensionen haben das Spiel nahezu zerrissen, mit Schwerpunkten, die ich nicht nachvollziehen kann. Der Schwerpunkt eines Rollenspiels sollte doch noch immer die erzählte Geschichte sein, oder liege ich da falsch? Wie dem auch sei. Hier erfahrt ihr meine Meinung zu dem Spiel.
Angesiedelt ist das Spiel zwei Jahre nach den Ereignissen aus “Tales of Symphonia”. Im Intro erfährt man, dass der Hauptprotagonist des ersten Teils, Lloyd, scheinbar blinder Zerstörungswut nachgeht. Dieser Umstand begleitet einen einen großen Teil durchs Spiel. “Held” dieses Spiels ist Emil. Interessanterweise handelt es sich hier nicht um einen Schwertkämpfer, der zufälligerweise der Auserwählte ist, sondern um einen Jungen, der vor sich und seiner Umwelt Angst hat. Er entschuldigt sich für jede Kleinigkeit, hat kein Selbstwertgefühl und empfindet sich eher als Last für die Welt. Man könnte sagen, er sei der klassische “Waschlappen”. An seiner Seite steht Colette, welche nicht müde wird, bei jeder Gelegenheit zu betonen, wie sehr sie Emil doch liebt. Zugegeben, diese Bekundungen, genauso wie das verweichlichte Selbst des Geliebten, können einem zuweilen ganz schön auf die Nerven gehen, sind aber unheimlich wichtig für den Spielverlauf. Emil wird durch Zufall in das ganze Geschehen hineingezogen und ist gezwungen sich seiner Aufgabe zu stellen. Neu ist, dass eure Gruppe aus 2 Hauptcharakteren besteht und ansonsten keine weiteren realen Charaktere aufweist. Um aber die Gruppengröße von 4 Mitstreitern zu füllen, hat man sich einer Rekrutierungsmechanik bedient. Das heißt, dass es unter bestimmten Umständen möglich ist, Monster nach einem Kampfende in eure Gruppe auf zu nehmen. Ich persönlich halte diese Idee für recht originell. Weiter gesellen sich von Zeit zu Zeit immer mal wieder, der ein oder andere Charakter des ersten Teils zu euch. Im Verlauf des Spiels machen Emil und Colette eine immense persönliche Entwicklung durch, was unheimlich schön zu beobachten ist und immer wieder neugierig darauf macht, wie es weitergehen könnte. Den Anstoß für diese Entwicklung gab “Richter”, ein Schwertkrieger, der im Spiel eine besondere Bedeutung und tragische Hintergrundgeschichte hat, mit seinem Satz: “Courage is the Magic, that turns Dreams into Reality!”. Wie wahr diese Aussage doch ist. Mit knappen 35 Stunden Spielzeit, fällt “Dawn of the new World” zwar kürzer aus, als sein Vorgänger, dies heißt aber nicht, dass diese Spielzeit sehr kurz ist. Im Gegenteil, ich empfinde sie immer noch als absolut ausreichend. Wer den Vorgänger aber nicht gespielt hat, wird wahrscheinlich über das ein oder andere Verständnisproblem stoßen, denn es wird sehr viel Bezug auf den GameCube Ableger genommen.
Das Kampsystem ist, wie für die Tales-Serie üblich, vollkommen in Echtzeit gehalten. Neu jedoch ist, dass ihr euch erstmals, per Tastendruck, frei auf dem Schlachtfeld bewegen könnt, was einer strategischen Komponente gleich kommt. Weiter wurde auf nervende Zufallskämpfe verzichtet, das heißt, ihr seht jeden Gegner auf eurer Karte und könnt ggf. auf einen Kampf verzichten. So könnt ihr auch bestimmen, wie der Kampf beginnt. Wenn ihr z.B. von hinten an den Gegner heranluaft, habt ihr einen kleinen Vorteil in der Schlacht. Genauso verhält es sich, wenn der Gegner auf eure Rückseite trifft, denn so hat dieser einen Vorteil. Schade ist, dass die Möglichkeiten, die die Wii bietet, nur begrenzt genutzt werden und dann auch nur in den kleinen Minispielen. Etwas mehr hätte ich mir dabei schon gewünscht. Ansonsten ist die Steuerung wenig komplex und leicht zu erlernen, was den Einstieg ins Spiel natürlich erheblich erleichtert. Auch grafisch gibt es von mir wenig zu bemängeln, denn die Grafik, auch wenn sie nicht ganz zeitgemäß ist, ist stimmig und absolut passend für das Spielgeschehen. Natürlich gefällt nicht jedem ein Manga-Comic-Look, aber ich brauche ehrlichgesagt keine weitere Final Fantasy-Reihe, die neben Grafik kaum noch was zu bieten hat.
Soundtechnisch bewegt sich alles auf hohem Niveau. Schön ist, dass nachezu ALLE Dialoge gesprochen werden. Dies erfolgte im ersten Teil eher sporadisch. Die Sprecher sind bei der Sache und “labern” ihren Text nicht einfach nur runter. Das ein oder andere Mal wünscht man sich eine andere Betonung, aber das ist Auslegungssache. Leider haben, gegenüber dem ersten Teil, einiger Sprecher der Ursprungscharaktere gewechselt, aber auch das ist zu verschmerzen, da hier keine Totalsufälle stattfinden. Mir persönlich hat das Spiel unheimlich viel Spaß gemacht, weshalb ich es, Fans solcher RPGs, bedenkenlos empfehlen kann.
Grafikfetischisten, die ihr Hauptaugenmekr auf bombastische Effekte legen, werden aber wenig glücklich werden. Ähnlich dürfte es sich mit Spielern verhalten, die den ersten Teil nicht kennen, da man einfach zu viele Bezüge nicht verstehen wird. Allen anderen wird hier eine kleine Perle, die zwar nicht an den ersten Teil herankommt, geboten, welche, ohne unnötige Längen, einen kompromisslos in den Bann ziehen kann. Für alle “Hardcore-Gamer” bietet zudem der “Twilight Tower” und “Gladsheim” [ab dem zweiten Durchspielen] genug Herausforderung um noch weitere Stunden beschäftigt zu sein.
Kurz und knapp: 8 von 10 Punkten
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Tags: Rezension, RPG, Videospiel, Wii
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